Derzeit höre ich von vielen Menschen aus meinem Umfeld, wie sie ihr Leben verändern. Sie trennen sich nach vielen Jahren von ihren Partnern oder kündigen ihren Job. Hört man sich in der spirituellen Szene um, so meinen einige, dass es an gewissen kosmischen Konstellationen liegt. Dies kann wahr sein, allerdings kenne ich mich in dem Bereich zu wenig aus. Daher frage ich mich, ob es nicht auch einfach etwas mit dem derzeitigen Wohlstand der Menschen zu tun hat. Immerhin brummt die Wirtschaft und sowohl Männer als auch Frauen können gut alleine klarkommen.

Jetzt kündigen – wieso nicht?

Der Jobmarkt gibt aktuell einiges her um sich beruflich zu verändern. Kaum jemand, muss derzeit wirklich Angst um seinen Job haben, da es kaum qualifizierten Ersatz gibt. Im Gegenteil werden derzeit in vielen Branchen neue motivierte Mitarbeiter gesucht. Dank des Arbeitslosengeldes ist auch eine kleine Auszeit für viele gut ausgebildete Leute drin. Der Jobwechsel ist so einfach wie schon lange nicht mehr.

Jetzt trennen – wieso nicht?

Die Trennung vom Lebenspartner ist auch eine gravierende Entscheidung die ich in meiner subjektiven Wahrnehmung derzeit verstärkt mitbekomme. Natürlich sind die Gründe dafür sehr verschieden. In den meisten Fällen geht es wohl darum, dass sich viele unangenehme Eigenschaften des Partners aufgestaut haben und nun ein Schlussstrich gezogen werden soll. Die Scheidung oder Trennung soll das Ganze beenden. Ein neuer Partner scheint in den meisten Fällen nicht weit entfernt zu sein. Das machen natürlich auch gewisse Apps heute sehr einfach. Grundsätzlich ist es gut, dass heute jeder selbst entscheiden kann, wie lange er bzw. sie mit jemandem zusammen ist. Diese Errungenschaft in der Gesellschaft ist noch gar nicht so lange her. Noch vor 40 Jahren war eine Scheidung kaum vorstellbar. Machbar schon gar nicht – zumindest nicht für das weibliche Geschlecht. Selbst als Mann finde ich es gut, dass sich das geändert hat. Niemand sollte aus Zwang, sei es finanzieller oder psychologischer Druck, mit jemandem sein restliches Leben verbringen müssen.

Weißt du, was du ändern möchtest?

Andersherum gibt es es aber nach wie vor Menschen, die das Gefühl haben nicht so leicht etwas verändern zu können. Laut ihren eigenen Aussagen können sie nicht aussteigen. Aber wovon eigentlich?

Die Gewohnheit hält dich zurück

Viele Menschen sehen ihr Leben, nach wie vor, als einen fahrenden Zug in den sie sich einmal hineingesetzt haben und nun ihr Leben lang darin sitzen bleiben müssen. Sie denken, weil sie 20 Jahre lang das Gleiche gemacht haben, müssen sie auch die nächsten 20 Jahre das Gleiche machen. Sonst hätte all ihre Arbeit keinen Sinn gehabt. All die Aufregung wäre umsonst gewesen. All die Anstrengung und der Verzicht ohne Grund. Das Ganze spitzt sich allerdings noch zu. Durch diverse langfristige Kredite fürs Auto oder Haus binden sie sich selbst an den Sitzplatz in ihrem Zug. Der krönende Abschluss für diese Fesselung ist dann noch der Nachwuchs. Mit einem Kind hat man Verantwortung. All diese Begründungen, beim nächsten Bahnhof nicht auszusteigen, haben selbstverständlich etwas Wahres in sich. Die große Hoffnung oder Endstation ist die Rente.

Nun haben wir diverse Verpflichtungen, vom Auto und Eigenheim bis zum Nachwuchs. Diverse Versicherungen von Riester über die Lebensversicherungen bis hin zu X und Y. Etwas sparen sollte man auch noch immerhin könnte die Rente doch geringer ausfallen. Da bekommt man sehr schnell das Gefühl nicht aussteigen zu können.

Reflektiere dich selbst

Die erste Frage ist, wer überhaupt diese Entscheidung getroffen hat. Selbstverständlich gefällt die Antwort dazu niemandem. Jeder würde sich selbst belasten. Alles was man die letzten 20 Jahre gemacht hat, wofür man sich aufgeopfert hat, würde man selbst geistig kaputt machen. Eine Kritik mit der viele nicht klarkommen. So fällt es nicht schwer, eher den schwarzen Peter abzugeben. “Alle haben das so gemacht!”, “Was hätte ich denn sonst tun sollen?” oder “Mein Partner wollte das so!” sind die üblichen Ausreden. Doch auch an diesen Ausreden ist etwas Wahres dran. Ja, wir alle hören ständig, ein eigenes Haus muss man kaufen, ein tolles Auto sollte man fahren und nur wer viel und hart arbeitet ist fleißig. Die Sprachrohre dafür sind vor allem die Werbung, das soziale Umfeld und leider auch oft die eigenen Eltern. All diese Faktoren haben massiven Einfluss auf einen Menschen der noch nicht frei ist.

Deshalb stellt als zweite Frage: Was kannst du tun um wieder frei zu werden?

Verändert eine Kündigung oder Trennung wirklich etwas?

An dieser Stelle schließt sich wiederum der Kreis zu meinen anfangs erwähnten Veränderungen. Die Trennung von einem Partner macht dich noch nicht frei. Der Jobwechsel wird noch nichts in deinem Leben verändern. Denn du sitzt nach wie vor in dem Zug. Er hat vielleicht einen anderen Anstrich und vielleicht sitzt du dann wieder alleine darin. Aber die Strecke ist nach wie vor die Gleiche.

Was ich mit all diesen Beispielen versuche darzustellen, ist, dass ein Ausstieg zunächst erst einmal im Geist erfolgen sollte, bevor du Aktionen startest die eher an Schönheitsoperationen erinnern. Ja, du änderst einen Teil deines Lebens, aber du änderst deshalb nicht dich selbst. Nach der Trennung vom Partner wirst du schon bald in die nächste Beziehung geraten und auch dort irgendwann unzufrieden sein. Nach dem Jobwechsel wirst du auch an diesem Job etwas finden, das dir nicht zusagt.

Entdecke was du wirklich ändern möchtest

Habe den Mut tiefer in dich zu gehen, und dich zu fragen was es wirklich ist, das dir gut tut. Ersticke den Mut, den du für die kleine Veränderung aufgebracht hast nicht direkt wieder, sondern nutze den Anfang um noch viel weiter zu gehen. Frage dich selbst, ob diese Veränderung alleine, dich wirklich glücklicher macht.

Wie wäre es, wenn du es schaffst mehr Liebe in dein Umfeld zu bringen, anstatt immer mehr oder neue Liebe zu fordern? Wie wäre es wenn du es schaffst, deinen Job nicht mehr als Mittelpunkt deines Lebens zu sehen? Wie wäre es, wenn dir die “Meinung” von Werbung und Umfeld vollkommen egal wird?

Dann wärst du wirklich ausgestiegen.

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